Berlin, 
11. März 2016

Neue Chancen in der Psychotherapie von Depressionen

deprexis®24 – das Online-Therapieprogramm bei Depressionen

 

Stress-bedingte Erkrankungen wie Depression und Burnout sind weiter auf dem Vormarsch. Betroffen hiervon sind in besonderem Maße auch Ärzte und Pflegekräfte. Wie man sogar in starken Belastungssituationen beruflichen Stress bewältigen und sich vor psychischen Erkrankungen schützen kann, war das Thema eines von SERVIER unterstützten Symposiums im Rahmen des Deutschen Pflegetags 2016.

 

"Sinnhaftigkeit, soziale Unterstützung und Humor – das sind die wesentlichen Schutzfaktoren", so brachte es Dr. Eckart von Hirschhausen, Moderator der Veranstaltung, auf den Punkt. Wenn man bereits depressive Verstimmungen oder eine manifeste Depression entwickelt hat, sollte man möglichst professionelle Hilfe suchen. Doch bis zum Beginn einer leitliniengerechten psychotherapeutischen Behandlung können viele Monate vergehen. Vor dem Hintergrund von Versorgungsengpässen und langen Wartezeiten stellt die Nutzung des Internet-gestützten und auf den bewährten Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie basierenden Programms deprexis®24 einen effektiven Therapieansatz dar – sowohl zur Ergänzung von konventionellen Face-to-Face-Therapien als auch zur Überbrückung von Wartezeiten.

 

Im Berufsalltag lauern viele Stressoren, die die psychische Gesundheit ins Wanken bringen und letztendlich auch Depressionen auslösen können. "Es gibt heute eine Besorgtheit über psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz, die in ihrer Qualität und ihrem Ausmaß neu ist", so PD Dr. Mazda Adli, Berlin. Nach einer Erhebung der Techniker Krankenkasse stehen 7 von 10 Berufstätigen die überwiegende Zeit unter Stress, in der Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen sind es sogar 8 von 10 Berufstätigen. Zwei Drittel der gestressten Berufstätigen fühlen sich auch nach der Arbeit weiterhin gestresst und können am Abend oder am Wochenende nicht abschalten, selbst im Urlaub sind es 38 % der Berufstätigen.1 Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits Alarm geschlagen und erklärte Stress als eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts.

 

Stressbewältigung ist erlernbar
Stress per se ist nicht gefährlich – zumindest nicht, wenn nach einem Stressor eine Regeneration folgt. Ungesund werde Stress immer dann, wenn ein Stressor unmittelbar auf den nächsten folge, erläuterte Adli. Denn dann verliere der Organismus seine Regenerationsfähigkeit und es komme zu Stressfolgeerkrankungen wie Depressionen. Wichtige gesundheitsrelevante Stressoren am Arbeitsplatz sind u.a. dauerhaftes Missverhältnis von Arbeitsanforderung und individuellem Handlungsspielraum, Dysbalance zwischen Leistung und Anerkennung sowie sozialer Hierarchiestress. Berufstätige der mittleren Führungsschicht und der IT-Branche, Selbstständige und Menschen mit sozialen Berufen, wie Pflegende und Ärzte, sind besonders gefährdet, bei chronischer Stressbelastung eine Depression oder ein Burnout-Syndrom zu entwickeln. "Die Konsequenzen von chronischem Stress kann man durch adäquates Stressmanagement in den Griff bekommen – und das lässt sich erlernen", betonte Adli. Probate Maßnahmen zur Stressbewältigung sind regelmäßiger Ausdauersport, gesunder Schlaf und das Vermeiden von sozialem Jetlag. „Sozialer Jetlag entsteht dann, wenn wir gegen unsere innere Uhr leben“, erklärte Adli. Ob man „Eule“ oder „Lerche“ ist, ließe sich kaum ändern. Wenn sich die Arbeitszeiten nicht mit dem individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus decken, komme es zu einer Akkumulation von sozialen Jetlags, in deren Folge sich wiederum eine Depression entwickeln könne.

 

Eklatante Versorgungslücken erfordern neue Therapieansätze
Für die Behandlung der unipolaren Depression empfiehlt die aktuelle nationale Versorgungsleitlinie (NVL) psycho- und pharmakotherapeutische Interventionen als gleichermaßen wirksame Verfahren.2 Je nach Schweregrad der Depression können sie alternativ oder auch in Kombination eingesetzt werden. Doch die Realität zeige ein anderes Bild, berichtete PD Dr. Rita Bauer, Dresden: Nur 10 % der Patienten mit einer akuten Depression erhalten eine Psychotherapie. Die Wartezeit auf ein Erstinterview beträgt durchschnittlich 12,5 Wochen. Bis die Therapie dann wirklich beginnt, vergehen rund 6 Monate.3 "In Deutschland ist eine flächendeckende, empfehlungsgeleitete Versorgung depressiver Patienten somit nicht gewährleistet", konstatierte Bauer. Ein Ausweg könnte die stärkere Nutzung internetbasierter psychotherapeutischer Angebote sein. Wenn sie im Rahmen einer persönlichen Begleitung oder Unterstützung zum Einsatz kommen, wird ihr Effekt noch erheblich gesteigert.4

 

deprexis®24: Online-Therapieprogramm bei Depressionen
Das individualisierte Online-Programm deprexis®24 (www.deprexis24.de) vermittele nicht nur Wissen und Strategien zum Umgang mit der Depression, sondern trete in einen interaktiven, dynamischen Dialog mit dem Patienten, so Bauer. Das Programm orientiert sich an den jeweiligen Angaben des Patienten und bietet ihm individuelle Übungen und Techniken zur Depressionsbewältigung an. deprexis®24 basiert auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und besteht aus insgesamt 10 Modulen, die der Nutzer beliebig oft wiederholen kann. Empfohlen wird eine ein- bis zweimal wöchentliche Nutzung für jeweils mindestens 30 Minuten. Am Ende jeder Sitzung kann der User eine Zusammenfassung sowie Anleitungen zu praktischen Übungen ausdrucken und bei Bedarf nochmals einen Blick in die Lektionen der vergangenen Sitzungen werfen. Der Übungserfolg wird durch tägliche E-Mails oder SMS – je nach Präferenz des Nutzers – unterstützt. Außerdem befragt deprexis®24 den Patienten vor jeder Sitzung zu seiner Stimmung und stellt das Stimmungsprofil in einer Grafik dar, die dem Patienten und gegebenenfalls dem behandelnden Arzt eine direkte Rückmeldung über den Verlauf gibt. Der Patient kann seinen Arzt persönlich einladen ("Cockpit"), um das Stimmungsbarometer sowie Art und Anzahl der Sitzungen zu verfolgen. Bei einer Verschlechterung der depressiven Symptome oder bei Hinweisen auf Suizidalität empfiehlt das Online-Programm dem Nutzer ausdrücklich, einen Arzt aufzusuchen.

 

Die Wirksamkeit von deprexis®24 wurde in sieben randomisierten kontrollierten Studien belegt. Zusätzlich zu der depressiven Symptomatik kam es zu Verbesserungen der Funktionsfähigkeit, Lebensqualität, Ängstlichkeit und des Selbstwertgefühls.5-8 Auch Patienten mit schwerer Depression profitieren von der Anwendung.8 Mehr als 90 % der Nutzer waren mit der Anwendung, Verständlichkeit und Qualität des Psychotherapie-Programms zufrieden.5 Das CE-zertifizierte Medizinprodukt deprexis®24 erfüllt die Anforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes. Es kann präventiv bei Risikogruppen, zur Therapieunterstützung bei unipolarer Depression oder depressiver Verstimmung und zur Überbrückung der langen Wartezeiten bis zum Beginn einer Psychotherapie genutzt werden. Gerade wenn das Ausmaß der Symptome noch gering ist, lohne sich der Einsatz von deprexis®24, um eine weitere Verschlechterung und Chronifizierung zu vermeiden, so Bauer.

 

Quelle:

Symposium "Stress, Burnout und Depression in Heilberufen: Neue Hilfe aus dem Internet" im Rahmen des Deutschen Pflegetags, Berlin 11. März 2016

 

Referenzen:

  1. TK-Stressstudie "Bleib locker, Deutschland", Prof. Manfred Güllner, forsa, 30. Oktober 2013
  2. S3-Leitlinie/Nationale Versorgungs-Leitlinie "Unipolare Depression"; http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005l_Unipolare_Depressio...
  3. Richards D, Richardson T (2012) Clin Psychol Rev 32: 329-342
  4. Stoppe G et al. (2013) Dtsch Ärztebl 110: A-543 / B-485 / C-485
  5. Moritz S et al. (2012) Behav Res Ther 50: 513-521
  6. Meyer B et al.(2009) J Med Internet Res 11: e15
  7. Berger T et al. (2011) Cog Behav Ther 40: 251-266
  8. Meyer B et al. (2015) Internet Interventions 2: 48-59